Jean-Luc · Der Stumme Diener
Jean-Luc · Der Stumme Diener
Er sprach kein Wort.
Nicht weil er nicht konnte – das wusste niemand genau, und niemand fragte, und das war vielleicht auch seine grösste Kunst: er machte die Neugier ruhig durch seine blosse Gegenwart. Jean-Luc war da, und das genügte. Mehr brauchte es nicht.
Er wusste was ein Gast brauchte bevor dieser es selbst wusste. Ein Glas Wasser auf dem Nachttisch, bevor jemand durstig wurde. Ein Mantel über dem Stuhl, bevor die Abendkühle kam. Ein Kamin der brannte wenn man ins Zimmer trat, als hätte das Feuer gewusst wann man kommen würde.
Niemand hatte Jean-Luc je aufgeregt gesehen. Niemand hatte ihn je langsam gesehen. Er bewegte sich in einer anderen Zeitlichkeit als die anderen – ruhiger, präziser, als wäre jede Geste einmal gedacht worden bevor sie ausgeführt wurde.
Sein Zimmer roch nach dem Kamin. Nach Holz, nach Leder, nach der Orangenschale die er jeden Abend auf die Glut legte – eine kleine Gewohnheit, ein kleines Ritual, das einzige das er sich erlaubte. Der Raum wurde warm und süss davon, und der Geruch blieb bis in den Morgen.
Was er hörte in all den Jahren, verriet er nie. Was er sah, behielt er. Er trug es in sich wie ein Archiv das niemand öffnen konnte ausser ihm.
Das Tagebuch auf dem Nachttisch ist leer.
Er hatte keinen Stift dabei. Er brauchte keinen. In diesem Zimmer müssen auch Sie nichts sagen – hier versteht man Sie ohne Worte.