Blanche · Die Erste und die Letzte
Blanche · Die Erste und die Letzte
Bevor das Haus erwachte, war Blanche schon auf.
Nicht weil man es von ihr verlangte – obwohl man es tat – sondern weil die Stille des frühen Morgens ihr gehörte. Diese eine Stunde, zwischen dem Dunkel und dem Licht, zwischen dem Schlafen des Hauses und seinem Erwachen: das war die ihre. Sie stand am Fenster, trank ihren Kaffee stehend, schwarz, und hörte dem Haus zu. Was es brauchte, wusste sie ohne Fragen.
Ihre Hände waren ihr Handwerk. Nicht die Hände einer Frau die sich schont – die Hände einer Frau die arbeitet. Rissig im Winter, braungebrannt im Sommer, immer sauber, immer bereit. Sie bohnerten den Boden bis er das Licht zurückwarf. Sie zogen die Laken stramm bis keine Falte blieb. Sie legten Lavendelbündel in jeden Schrank, jeden Sommer, damit die Kleider der anderen nach etwas riechen das Blanche für sie gesucht, geschnitten und getrocknet hatte.
Man sagte, das Haus atme rein.
Das war ihr Werk.
Ihr eigenes Zimmer war weiss wie sie selbst – klar, ohne Überfluss, ohne Lärm. Ein Bett, eine Waschschüssel, ein Kreuz an der Wand. Mehr brauchte sie nicht. Was sie brauchte, nahm sie nicht aus Dingen – sie nahm es aus Ordnung. Aus dem Gefühl, am Abend ein Haus verlassen zu können das besser war als am Morgen.
Wo Blanche gewesen war, roch es nach Anfang.
Nach Leinen, nach Seife, nach einem Morgen der noch niemandem gehörte. Nun gehört er Ihnen.